Förderung von Konfliktmanagement in der afghanischen Zivilgesellschaft und Verwaltung

Zwischen April 2009 und Februar 2010 führte die HUMBOLDT-VIADRINA School of Governance in Zusammenarbeit mit dem Auswärtigen Amt das Programm „Förderung von Konfliktmanagement in der afghanischen Zivilgesellschaft und Verwaltung“ durch.


Ziel des Programms war die nachhaltige Stärkung der Diskurs-, Partizipations- und Konfliktmanagement-Fähigkeiten von Personen, die als Multiplikatoren in der afghanischen Zivilgesellschaft und Verwaltung anzusehen sind. Im Kern standen der Erwerb und der Ausbau von Kenntnissen und Fähigkeiten im Bereich interessenorientierter Konfliktbearbeitung. Vorrangiger Anspruch war es, nationale Akteure im Sinne des Train-the-Trainer-Prinzips zu befähigen, die erlernten Inhalte und Methodiken selbstständig in ihre jeweiligen gesellschaftlichen Sektoren und in ihr tägliches Arbeitsumfeld einzuführen und dort weiterzutragen sowie Nachfolgeprojekte zu planen und umzusetzen. Die Inhalte des Lehrgangs ebenso wie die Art der Vermittlung trugen sowohl den Besonderheiten der traditionellen Diskurs- und Konfliktlösungsmechanismen als auch den aktuellen Organisationsstrukturen in der afghanischen Gesellschaft Rechnung. Ein besonderes Augenmerk wurde dabei auf Probleme des Aufbaus transparenter Strukturen in der afghanischen Zivilgesellschaft und Verwaltung gelegt, da Fragen der Korruption regelmäßig Auslöser von Konflikten darstellen. Damit einhergehend zielte das Programm auf die Förderung von Elementen von Good Governance in Afghanistan.


Das Programm bestand aus drei Teilen: Die erste Phase umfasste einen zweiwöchigen Lehrgang zu Konfliktmanagement und Transparenzförderung für zwölf afghanische NGO-Vertreter und Verwaltungsangestellte vorwiegend aus der Region Kundus in Berlin. Am Ende des Lehrgangs, der vom 6. bis 20. Juli 2009 an der HUMBOLDT-VIADRINA School of Governance stattfand, entwickelten die Teilnehmer auf Basis der Lehrinhalte eigene Projekte im Bereich Konfliktbearbeitung und Korruptionsbekämpfung, die sie in der zweiten Phase des Programms umsetzten. Während dieser zweiten Programmphase von Juli bis Februar 2010 wurden die Teilnehmer von Mentoren bei der Durchführung ihrer Projekte begleitet. In der dritten Phase werteten die Teilnehmer im Rahmen eines Evaluationsworkshops in Tajikistan ihre Erfahrungen im Rahmen ihrer Projekte aus (Peer-Review) und erhielten ein weiteres individuelles Projektmanagement-Coaching.


Ein wesentlicher Aspekt des Programms war die Befähigung nationaler afghanischer Akteure, als Trainer oder Projektleiter die erlernten Inhalte und Methodiken weiterzutragen, Nachfolgeprojekte zu planen und umzusetzen. Neben der Vermittlung von theoretischen und praktischen Kenntnissen galt es, unter den Teilnehmern ein tragfähiges Netzwerk zu etablieren, um in Zukunft durch Erfahrungsaustausch und kollegiale Beratung auf eigene Ressourcen zurückgreifen zu können.
Im Einzelnen waren die Ziele des Lehrgangs wie folgt definiert:

  • Einführung in professionelle Verhandlungs- und Diskurstechniken;
  • Praktische Schulung in unterschiedlichen Techniken der Konfliktanalyse;
  • Vermittlung von Kommunikations- und Interventionstechniken im Konflikt;
  • Vermittlung des Konzepts von interessenorientiertem Konfliktmanagement;
  • Praktische Einübung der Kernverfahren effizienter Konfliktbewältigung;
  • Einsatz von mediativer Methodik zur Analyse der Interessenprofile zentraler Akteure der afghanischen Gesellschaft;
  • Arbeit an bestehenden Konfliktfällen sowie Werte- und Diskursdifferenzen aus dem afghanischen Kontext;
  • Vermittlung von Kenntnissen hinsichtlich des Aufbaus transparenter Strukturen (Anti-Korruption Training, Korruption als Quelle von Konflikten, Transparenz als Element von Good Governance);
  • Unterstützung bei der Entwicklung von eigenen Trainings und anderen Vorortmaßnahmen/Projekten;
  • Vermittlung von Knowhow im Bereich Projektmanagement/-monitoring;
  • Projektspezifische und allgemeine Vernetzung der Teilnehmenden untereinander;
  • Unterstützung bei der Vernetzung innerhalb des afghanischen NGO-Sektors;
  • Strategische Planung der künftigen Zusammenarbeit mit verschiedenen (nationalen und internationalen) Akteuren vor Ort.


Aufbauend auf den Lehrgang in Berlin führten die Teilnehmer in Afghanistan eigene Projekte durch. Folgende Projekte sind von den Teilnehmern – meist in Kleingruppen von zwei Personen – durchgeführt worden:

  1. Training workshop on peace building and mediation for Afghan youths in Kunduz;
  2. Conflict management and mediation in legal conflicts for officials of the department of justice (office of the attorney general) and the department of women affairs on the provincial and district level of Kunduz province;
  3. Training mediation and conflict resolution between the villagers of 6 rural areas of Kunduz province;
  4. Conflict management and mediation training for community elders, CDCs and teachers of the schools in Aliabad district, Kunduz Province;
  5. Training and round table conflict analysis and mediation for youths, scholars and school teachers on the radio;
  6. Conflict resolution and mediation training for members of women shuras and women development councils;
  7. Conflict management workshop for female civil society staff in the province of Kunduz.


 

Berichte:

Auswärtiges Amt

Tagesspiegel

Kontakt:
Anna Haupt

T +49 30 20 05 971-23
F +49 30 20 05 971-11

E-Mail: anna.haupt@governance-school.de

 

Letter of Appreciation des Governeurs der Provinz Kundus

Letter of Appreciation
 

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